Endometriose

Erfahrungsbericht: Endometriose Operation mit Darmteilresektion

2. Oktober 2018

Wie im letzten Blogbeitrag Mein Leben mit der Endometriose – Ehrfahrungsbericht 3 bereits angekündigt, folgt hier nun mein detailierter Erfahrungsbericht zu meiner Endometriose Operation mit Darmteilresektion am 3. Juli 2018 im Albertinen Krankenhaus in Hamburg.

Wie alles begann…

Nach einer Darmreinigung am Montag, dem 2. Juli, fuhr mich mein Mann am 3. Juli früh nach Hamburg ins Albertinen Krankenhaus. Im Anschluss an die Anmeldung ging es erstmal in den Wartebereich der OP-Vorbereitung, wo ich direkt auch nochmal eine Urinprobe abgeben durfte. Zudem sprach auch nochmal der Narkosearzt mit uns, dass bei mir ja eine größere Operation geplant ist und ob ich einem PDK (Periduralkatheter –> örtliche Betäubung in der Nähe des Rückenmarks) haben möchte. Ich willigte ein.

Nach einer weiteren kurzen Wartezeit musste ich mich dann von meinem Mann verabschieden und wurde in einen Vorbereitungsraum gebracht. Dort angekommen schwang ich mich in das sexy Krankenhausnachthemd und zog mir die Thrombosestrümpfe an. Noch schnell eine Tablette zur Beruhigung und da wurde ich auch schon zur OP-Vorbereitung abgeholt. Dort angekommen, bekam ich den PDK in den Rücken gesetzt, wurde für die OP vorbereitet und erhielt schlussendlich die Narkose.

Die Diagnose nach meiner Endometriose-Sanierung

So richtig erinnern kann ich mich erst wieder, dass ich gegen Abend in ein Zweibettzimmer geschoben wurde. Hier erfuhr ich, dass meine Endometriose-Sanierung sogar noch größer war als erwartet. Ich wurde sechs Stunden operiert und mir wurde Endometriose von der Blase, von der Bauchdecke und von den Beckenknochen entfernt. Zudem war mein Endometrioseherd am Darm noch größer als er tastbar und auf dem Enddarmultraschall sichtbar war. Er war zudem weiter hinten auch sehr tief in den Darm infiltriert, sodass mir 15 cm Darm ab 8 cm vom After aus entnommen werden musste. Der Darm wurde an der entnommenen Stelle wieder zusammen genäht (ich hatte keinen Stoma). Ich hatte zwei kleine Narben rechts und links von der Bauchspiegelung sowie einen kleinen Bauchschnitt vom Bauchnabel abwärts (ca. 6 cm), aus dem der Darm entnommen wurde.

Nach meiner Endometriose-Sanierung

Wie es mir nach der Operation erging

Durch den PDK war ich schmerzfrei. Ich hatte lediglich mit den Narkosenachwirkungen zu kämpfen, wodurch ich mich öfters übergeben musste. Der Plan war, dass ich eine Woche im Krankenhaus bleibe und aufgrund der Darmteilresektion einen langsamen Kostaufbau erhalte. Ich bekam somit vorerst nur Joghurt und Suppe sowie Tee und Wasser. Ab Donnerstag ging es mir dann zunehmend besser, sodass ich auch mal eine Bananenmilch trank und ein Wassereis aß. Lediglich meine Entzündungswerte waren noch etwas zu hoch, doch auch diese gingen am Samstag endlich zurück. Somit wurde ich langsam auf Schmerzmittel eingestellt, sodass am Sonntag morgen der PDK gezogen werden konnte.

Ich war voller Vorfreude auf Dienstag, wo es endlich nach Hause gehen sollte. Doch es kam ganz anders. Meine Entzündungswerte waren am Sonntag wieder angestiegen. Gegen die Mittagszeit kam somit der Chirurg ganz hektisch rein und tastete meinen Bauch ab. Diese war unbemerkt ganz hart und es lag der Verdacht im Raum, dass meine Darmnaht undicht ist.

So ging es nach dem Verdacht direkt weiter

Ich musste somit sofort ins CT. Ich wusste noch gar nicht recht wie mir geschah, da hatte ich bereits einen Einlauf im Hintern. Glücklicherweise befand sich mein Mann für einen Besuch bereits – nichts ahnend – auf der Autobahn von Bremen nach Hamburg. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich ihn genau anrief, um ihn zu informieren… Der Einlauf wollte auf jedenfall sehr schnell wieder raus, aber so richtig entleerte ich mich nicht. Offenbar hatte ich mal wieder eine Verstopfung. Vermutlich zu viel Zucker durch Joghurts, Bananenmilch und Eis. Naja, nicht vollständig entleert wollte ich nochmal zurück ins Bett und warten, da stand auch schon der Transportdienst für’s CT in der Tür.

Für’s CT bekam ich noch einen Einlauf mit Kontrastmittel. Dieser wollte aber einfach nicht rein und auch nicht drinnen bleiben. So lag ich während des CT’s in der Einlaufsuppe. Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass ich von der Schocknachricht bis jetzt nur am weinen war. Und auch jetzt, wo ich darüber schreiben und die Erinnerungen wieder hoch kommen, rollen mir die Tränen über die Wangen. Sowas wünscht man nicht mal seinem schlimmsten Feind. Und ich möchte euch hier auch keine Angst machen! Doch leider bestätigte sich der Verdacht bei mir. Meine Darmnaht hatte ein Loch (Nahtinsuffizienz). Dies passiert laut Aussage der Ärzte sehr sehr selten. Den Ärzten war es ein absolutes Rätsel, warum mir das passiert ist – schließlich bin ich jung und gesund/fit.

Naja, nachdem klar war, dass ich ein Loch in der Darmnaht hatte, musste alles noch schneller gehen. Glücklicherweise war mein Mann mittlerweile da. Ich bekam eine OP-Aufklärung in rasender Geschwindigkeit. Zum 1. Mal hörte ich nur Komplikationsmöglichkeiten um Komplikationsmöglichkeiten und ganz laut mein Angstwort Stoma. Ich kann gar nicht sagen warum, aber ich wollte einfach keinen Stoma. Naja, aber mir blieb ja nichts anderes übrig, also willigte ich in die Not-OP ein. In den Minuten danach heulte ich mich im Arm meines Mannes nochmal richtig aus und dann gab ich ihm Instruktionen, wie z.B. meine Eltern zu benachrichtigen.

Not-OP stand an…

Und zack ging es wieder in den OP. Diesmal sogar die OP-Vorbereitung direkt im OP-Saal. Auch diese Erinnerungen sind nicht die Schönsten. Ich sag nur soviel: Mir wurde unter anderem noch fix der Magen ausgepumpt… Die OP an sich verlief gut. Die Naht wurde an der undichten Stelle übernäht. Mein Mann und meine Eltern versuchten sich mit einem gemeinsamen Essen abzulenken. Im Aufwachraum konnte ich noch nicht mal richtig die Augen öffnen, da faselte ich bereits „Stoma? Stoma?“. Irgendwer schaute nach und antwortet: „Nein, kein Stoma.“ Erleichterung meinerseits und zack nickte ich wieder weg. Aufgrund von Unterkühlung kam ich die Nacht zur Überwachung auf die Intensivstation. Hier ging es mir recht gut und ich konnte meinen Mann und meine Eltern empfangen. Wir quatschten ein bisschen, doch da es spät war, sind dann alle schnell heim. Mir ging es sogar so gut, dass ich mich bereits vorm Schlafen waschen konnte.

Etwas kaputt aber wohlauf nach meiner Not-OP

Doch die Nacht bekam ich schwer ein Auge zu. Zu viele Geräusche und Lichter von den Geräten. Total übernächtigt kam ich am Folgetag dann auf die chirurgische Station in ein Dreibettzimmer. Hier war es leider unendlich heiß und sehr unruhig. Mir ging es zudem immer schlechter. Ich hatte starke Schmerzen im Oberbauch und habe jeden Schluck Wasser direkt wieder erbrochen. Ich bekam sogar eine Magensonde, die nichts brachte – ich erbrach trotz dieser. Somit entschied ich mich selbst, nichts mehr zu trinken, und die Flüssigkeit per Infusion zu mir zu nehmen. So langsam ging es mir am dritten Tag (Mittwoch) wieder ein bisschen besser und dann hatte ich auf einmal Kot im Drainagebeutel. Jippi jippi yeah, erneuter Verdacht auf ein Loch in der Darmnaht und somit erneutes CT. Naja und was soll ich sage, wieder eine neue undichte Stelle. Diesmal hieß es wieder OP, aber diesmal definitiv mit Stoma. Doch die OP konnte in Ruhe für den nächsten Tag geplant werden, da die Drainage den Bauchraum ordentlich spülte.

Und noch eine dritte OP, oder doch nicht

Ich stellte mich also vollkommen resigniert auf die dritte OP und einen Stoma ein. Eine Stunde bevor ich zur OP abgeholt werden sollte, kam der Chirurg unerwartet rein. Er erzählte mir, dass es auch noch eine andere Möglichkeit statt der OP gäbe und zwar ein Endosponge Verfahren. Bei diesem Verfahren wird ein Schwamm von unten durch den After in das Loch im Darm gelegt. Der Schwamm verschließt durch ein Vakuum das Loch und transportiert über einen Schlauch alles, was er aufsaugt in einen Vakuumbehälter nach draußen. Zudem unterstützt das Material des Schwamms bei der Wundheilung. Dieser Schwamm muss alle 2-3 Tage gewechselt werden und wird dabei immer kleiner, wodurch auch die Wundhöhle immer kleiner wird und somit der Darm immer weiter zuwächst. Mir wurde gesagt, dass dieses Verfahren daher auch bedeuten würde, dass ich noch zwei Wochen im Krankenhaus bleiben muss.

Das Endosponge Verfahren

Mein Mann war zuerst sehr skeptisch, da dieses Verfahren auch Risiken birgt. Doch ich wollte es probieren und der Chirurg machte auch deutlich, dass ich gut überwacht werde. Zusätzlich zu dem Verfahren wurde auch entschieden, dass ich ab sofort für das Verfahren komplett auf künstliche Ernährung gestellt werde, damit möglichst wenig Stuhl im Darm ist. Nachdem der erste Schwamm gesetzt wurde und ich die künstliche Ernährung über meinen ZVK (Zentralvenenkatheter) erhielt, ging es mir sehr schnell immer besser. Die Zeit der Schwammwechsel wurde somit eine Art Zeit absitzen für mich. Es war ein tolles Gefühl, dass es endlich bergauf ging, auch wenn ich immer noch eine Restangst hatte, dass die Darmnaht noch ein drittes Mal aufgeht – ganz nach dem Motto „Alle guten Dinge sind drei“.

Künstliche Ernährung, viele Infussionen und das Endosponge-Verfahren zur Heilung meiner zweiten Nahtinsuffizenz

Doch es ging alles gut. Mein Darm heilte durch das Endosponge Verfahren sogar schneller als erwartet. Nach zwei Wochen konnte somit der Schwamm komplett entfernt werde. Und dann ging auch alles ganz fix, die Medikamente wurden immer mehr abgesetzt und ich durfte wieder langsam und vorsichtig leichte Vollkost (Schonkost) essen. Am Montag, dem 30. Juli, wurde ich dann nach insgesamt vier Wochen Krankenhaus endlich entlassen. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich auf Zuhause gefreut habe!

Durch das Endosponge Verfahren ging es endlich bergauf, was mich sehr glücklich machte.

Ende gut, alles gut

Wie es mir nach meinem Krankenhausaufenthalt zuhause erging, berichte ich euch in meinem nächsten Quartalsbericht für Juli-September, der ganz bald hier online kommt. Zudem kann ich euch bereits verraten, dass es demnächst auch einen Erfahrungsbericht zu meiner Anschlussheilbehandlung (AHB) in der Reha Klinik in Ratzeburg geben wird.

Ich hoffe wie immer, dass euch mein Erfahrungsbericht gefallen hat. Und ich hoffe sehr, dass ich euch keine Angst gemacht habe. Wie gesagt, dass die Darmnaht wieder aufgeht, ist nicht die Regel sondern sehr selten! Und bei mir ist ja schlussendlich alles gut gegangen. Meine Darmnaht ist dicht und ich habe zusätzlich zu meinen Narben aus meiner Endometriose-Sanierung nur eine weitere Narbe durch die Drainage im Leistenbereich.

Ich wünsch euch noch einen schönen Tag und wenn ihr Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt mir wie immer gerne hier einen Kommentar oder eine E-Mail über mein Kontaktformular.

Eure Chrissi

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